Michael Heltau

(geb. 1933 in Ingolstadt)

Michael Heltau | Foto: Gabriela Brandenstein

Ein Künstler, ein Virtuose, ein Chansonnier, ein Mensch, der es vermag, andere zu begeistern.

Er fährt auf jedem Bein eine Karriere und gilt als der „österreichischeste" Schauspieler des ganzen Burgtheater-Ensembles, dem er seit mehr als vierzig Jahren angehört.

„Ich würde mich eher als Bühnenmenschen denn als Schauspieler bezeichnen“, richtig: sein Talent besticht vor allem anderen durch seine unglaubliche Vielseitigkeit. Schauspieler, Rezitator, Sänger, Entertainer. Der aus dem bayrischen Ingolstadt gebürtige Wahlösterreicher (er besuchte im Salzkammergut die Schule) absolvierte seine Ausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar, debütierte in Würzburg und wurde von Fritz Kortner ans Münchner Residenztheater geholt. Es folgten das Theater in der Josefstadt in Wien, das Schillertheater und das Theater am Kurfürstendamm in Berlin, das Hamburger Schauspielhaus und das Thaliatheater. Von 1959 bis 1961 gastierte er bei den Ruhrfestspielen und seit 1964 regelmäßig bei den Salzburger Festspielen.

Ein Meilenstein seiner Karriere stellt zweifelsohne die Zusammenarbeit mit Georgio Strehler dar: 1973 und 1974 war Heltau König Heinrich IV. in Strehlers furioser Shakespeare-Inszenierung Das Spiel der Mächtigen bei den Salzburger Festspielen und 1975 am Burgtheater, es folgte Richard II. von Shakespeare. Die Zusammenarbeit mit Giorgio Strehler fand seine Fortsetzung bei Goldonis Trilogie der Sommerfrische am Burgtheater. Außerdem spielte er, auch wieder bei Strehler, den Mackie Messer in einer französischsprachigen Aufführung von Brechts Dreigroschenoper in Paris.

In Wien jedoch feierte er die größten Erfolge seiner Laufbahn: im Theater in der Josefstadt, am Volkstheater und an der „Burg“, wo sich Heltau in den siebziger und achtziger Jahren als der Hauptrollendarsteller schlechthin profilierte. Nach einem fulminanten Gastspielerfolg als Dr. Jura in Das Konzert von Hermann Bahr am Wiener Volkstheater spielte und sang er den Bluntschli im Theater an der Wien (in Udo Jürgens' Musical Helden, Helden) und erhielt dafür die begehrte Kainz-Medaille.

Michael Heltau | Foto: Gabriela Brandenstein

Hiermit begann für Michael Heltau ein geradezu kometenhafter Aufstieg in der Showbranche als kongenialer deutscher Interpret der Lieder und Chansons des Belgiers Jacques Brel, dessen anspruchsvolle Texte er wie kein anderer theaterwirksam zu singen und zu spielen versteht. Ein Genre für sich bilden seine Fernseh-Shows, welche Show-Szene mit Theaterbühne verknüpfen und als solche inzwischen legendär geworden sind: Auf d'Nacht, Herr Direktor – Aber jetzt, Herr Direktor – Meine Leute – Classical – Meine Zeit.

Für das ZDF gestaltete Heltau jahrelang den populären Liedercircus, der Chansons aller Stilrichtungen eine Arena bot. Anläßlich seiner ersten Solo-Auftritte 1965 entstand die erste seiner vielen Schallplatten-Aufnahmen: Die Leiden des jungen Werther von Goethe. Außer Texten von Goethe hat Michael Heltau auch Rilke, Gottfried Benn und zuletzt mehrfach Joseph Roth im Tonstudio interpretiert. Sein Professor Higgins in My Fair Lady oder auch der Honoré Lachailles in dem Musical Gigi an der Wiener Volksoper sind legendär, seine Solo-Chanson-Programme Noch einmal, Herr Direktor! und Im Rampenlicht dankte ihm das Publikum in den Opernhäusern von Wien, Berlin, Frankfurt, Hamburg etc. mit standing ovations.

Laut Pressestimmen war sein Zauberer Cotrone in Pirandellos Die Riesen vom Berge, Giorgio Strehlers letzter Burgtheater-Inszenierung, „der Höhepunkt seines künstlerischen Wirkens“. 2001 inszenierte Heltau im Rahmen der Wiener Festwochen mit Riccardo Muti am Pult der Wiener Philharmoniker die legendäre Strehler-Inszenierung von Mozarts Le Nozze de Figaro im Theater an der Wien neu, Regiearbeiten an der Mailänder Scala und für die Opernfestspiele Ravenna folgten.

Mit seinen Operetten-Programmen Operette sich, wer kann und Bruder Leichtsinn gastierte Heltau höchst erfolgreich im Wiener Ronacher, in der Volksoper und im Theater an der Wien. 2007 ist Heltau mit der musikalischen Show Statt zu Spielen ins Burgtheater zurückgekehrt, eine Reverenz an dieses Haus, die bejubelt wurde und es auf über zwanzig Vorstellungen brachte. Der seit 2010 im Akademietheater gezeigte Solo-Abend I brauch kan Planz wurde ebenso zum großen Erfolg bei Publikum und Presse. Im März 2012 hatte seine neue Burgtheater-Produktion Es ist immer Jetzt Première und erhielt enthusiastische Kritiken.

Michael Heltau ist der jüngste Doyen sowie auch Ehrenmitglied des Wiener Burgtheaters, österreichischer Kammerschauspieler, Ehrenmitglied der Wiener Volksoper und wurde mit zahlreichen Preisen, in Österreich wie auch in Deutschland, ausgezeichnet. 2005 erhielt Heltau den „Nestroy“ für sein Lebenswerk. 2010 erhielt Heltau den eigens für Ehrenmitglieder des Hauses geschaffenen Burgtheater-Ring.

Michael Heltau – Madame (1988)

Michael Heltau – Madame 1988; Original von Jacques Brel


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